Carl Otto & Paul Friedrich Schmidt

„Carl Otto & Paul Friedrich Schmidt“

Der erste Weltkrieg von 1914 bis 1918, die Ära der Weimarer Republik, schließlich die Epoche nationalsozialistischer Herrschaft, die Deutschland und ganz Europa in einen infernalischen Weltkrieg reißt, werden für Gebrüder Schmidt zur schwierigsten Phase der Firmengeschichte. Das Unternehmen muss sich über einen Zeitraum von mehr als 20 Jahren allergrößten, zumeist politisch verursachten Herausforderungen stellen. Der erste Weltkrieg und seine Folgen bringen die Firma in akute Gefahr. Nach dem kriegsbedingten Zusammenbruch der Obersteiner Industrie, aus dem keine Firma als Kriegsgewinner hervorgeht, und dem weitgehenden Verlust der in den Gründerjahren auf dem Weltmarkt erkämpften Position lähmen die unmittelbaren Kriegsfolgen, aber auch die in Oberstein bis 1930 andauernde französische Besatzungszeit, die wirtschaftliche Entwicklung. Hinzu kommen der Zusammenbruch der deutschen Währung in den Inflationsjahren und schließlich die Weltwirtschaftskrise 1929-30, die Gebrüder Schmidt an den Rand des Ruins bringt.

Die Geschwister Paul Friedrich und Karl Otto Schmidt treten ab 1920 in die Firma ein. Vor allem Karl Otto Schmidt hält an der Seite des Vaters das Unternehmen auf Kurs. Die Firma konzentriert sich auf die Herstellung formschön gestalteter Kollektionen modischer Accessoires für die Dame, Bürogarnituren oder Raucherbedarf zunehmend auch Uhrengehäuse im Art Déco-Stil der 20er Jahre. Zudem plant das Mitte der 1920er Jahre wirtschaftlich immer noch leistungsfähige Unternehmen bereits für die Zeit nach der Krise: 1928/29 erfolgt eine ehrgeizige Erweiterung der Fabrik. Der Kölner Architekt Paul Pott realisiert ein bis zu 5-stöckiges modernes Fabrikgebäude, das mit großen Fensterfronten, lichtdurchfluteten, gut belüfteten Arbeitsräumen geradezu programmatisch in die Zukunft weist und aus dem Ensemble der alten Fabrik das Stadtbild prägend heraussticht.

Karl Otto Schmidt übernimmt noch zu Lebzeiten des Vaters in wachsendem Maße in der Firma die Leitungsverantwortung. Nach dem Tod des Vaters im Krisenjahr 1930 gelingt ihm nicht zuletzt durch seinen persönlichen Einsatz die Abwendung der Insolvenz und Rettung des Unternehmens. Ihn haben der erste Weltkrieg, den er mehrfach verwundet knapp überlebt, und die Jahre der Weltwirtschaftskrise nachhaltig geprägt. Militarismus und nationaler Chauvinismus sind ihm fremd.

Die Naziherrschaft mit ihrer rigiden Politik der Abschottung Deutschlands vom Weltmarkt und der Zwangsbewirtschaftung aller Devisen beendet für das vom Auslandsgeschäft lebende Unternehmen den Traum von der Kunstindustrie fürs Erste. Zudem treibt die früh einsetzende Lenkung der Wirtschaft auch Gebrüder Schmidt bereits in den Vorkriegsjahren in die Produktion von militärischen Ausrüstungsgütern. Ab Kriegsbeginn wird die Firma zum Hersteller von Munitionskästen, Teilen von Granaten und transportablen Antennen für den Kriegseinsatz. Dabei werden auch französische Kriegsgefangene als Arbeitskräfte eingesetzt. 1944 beschädigt ein Bombenangriff große Teile des Firmengebäudes schwer.

Den Wiederaufbau der Firma nach dem Zusammenbruch des Naziregimes 1945 meistert Karl Otto Schmidt mit einer Stammbelegschaft von Kriegsrückkehrern. Sein Bruder Paul Friedrich, der politischer Gefolgsmann der Nazis ist, hat die Firma bereits 1939 verlassen und sich freiwillig zur Organisation Todt gemeldet. Johanna Schmidt geb. Treibs, Witwe und Erbin des 1930 verstorbenen Carl Ludwig Schmidt, betreibt nach einer familiären Konfliktsituation dessen Abfindung, so dass die Firma zur deutschen Währungsreform 1948 mit Karl Otto Schmidt als geschäftsführender Gesellschafter neu gegründet wird. Dem politisch nicht belasteten Karl Otto Schmidt gelingt nicht nur mit einer bedarfsgerechten Nachkriegsproduktion von Schubkarren, Werkzeugen Transformatoren sowie Zigarettenetuis für die Angehörigen der Stationierungsstreitkräfte der rasche Wiederaufbau der Firma. Er erwirbt als Vize-Präsident und Vorsitzender des Prüfungsausschusses für die Metallberufe große Verdienste beim Wiederaufbau der IHK in Koblenz. Gleichzeitig fördert er nachhaltig als ehrenamtlicher Leiter der Metallklassen den Wiederaufbau der zerstörten Obersteiner Berufsschule „Auf der Au“. Nach der Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft tritt sein Sohn Karl Wilhelm in die Firma ein.

In den Jahren des „Deutschen Wirtschaftswunders“ erlebt auch Gebrüder Schmidt einen grandiosen Aufschwung. Das vor allem mit Exporten in europäische Nachbarländer florierende Geschäft mit modischen Accessoires und Uhrgehäusen bringt bis zu 400 Mitarbeitern Arbeit und erfordert einen bis in die 1990er Jahre andauernden Ausbau der Firma zu einem markanten 5-geschossigen Industriebau im Herzen Obersteins.

Bis ins hohe Alter ist Karl Otto Schmidt in der Firma omnipräsent. Noch in den 1970er Jahren, als der Kunststoff die traditionellen Werkstoffe Tombak und Messing zunehmend ersetzt, behält er Zuständigkeiten für die Entwicklung und Fertigung von Metallwaren.

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