Friedrich Schmidt

„Friedrich Schmidt“

Ende der 1840 Jahre übergibt Joh. Carl Schmidt den Betrieb seinen Söhnen Johann Carl Jr. und Friedrich, die 1864 durch Eintrag in das Handelsregister beim Amtsgericht Oberstein die Überleitung der Firma in die Gebrüder Schmidt OHG vollziehen.

Mit dem Umzug der Firma auf das spätere, langjährige Firmenareal an der Nahe („Auf der Au“), der durch Ankauf, Umwidmung und Erweiterung einer ehemaligen Gerberei in den 1850er Jahren ermöglicht wird, hält die industrielle Revolution Einzug in die „Obersteiner Fabrik“: Gebrüder Schmidt errichtet 1854 die erste Dampfmaschine im Fürstentum Birkenfeld und konzentriert sich auf die Serienproduktion von Halbfabrikaten insbesondere für die Obersteiner Schmuckindustrie. Diese erlebt nach langen Jahren der politischen und wirtschaftlichen Stagnation nach der Gründung des Deutschen Reichs 1871 einen bis dahin beispiellosen Aufstieg: Oberstein erlangt mit seiner Uhrketten- und Bijouterieindustrie weltweite Geltung. Als Spezialisten für Massenprodukte im Niedrigpreissegment laufen die Obersteiner Firmen um die Jahrhundertwende 1900 der Konkurrenz in den deutschen Schmuckzentren und sogar in Birmingham den Rang ab. Im letzten Drittel des 19. Jhdt. verändert ein Investitionsschub mit einer Mechanisierungswelle die Strukturen der Obersteiner Industrie: Es bilden sich zunehmend größere Betriebe mit eigener Fertigung von Teilprodukten, die den Obersteiner Tombakschmieden zunehmend die wirtschaftliche Basis entziehen. Gebrüder Schmidt reagiert vorausschauend mit der Herstellung eigener Endprodukte und wird Hersteller von „Galanteriewaren“.

Besondere Beachtung verdienen die Anstrengungen der Unternehmerfamilie Schmidt zur Qualifizierung des familiären Führungsnachwuchses. Bereits in der 2. Generation werden die Söhne zur Ausbildung in die führenden deutschen Schmuckzentren, vor allem nach Pforzheim geschickt. Dort werden sie in mehrjährigen Hospitationen in Partnerfirmen zu unternehmerisch denkenden Führungskräften herangebildet, die über neueste Kenntnisse der Produktionstechnik, der Betriebsorganisation, der Betriebswirtschaft und des Marketings verfügen. In diesem Prozess der beruflichen und persönlichen Formierung wächst in der Familie Schmidt eine neue Generation von Fabrikanten heran: Aus den vormaligen Handwerksmeistern werden im 19. Jahrhundert Unternehmer.

Die Leistung der 2. Generation der Unternehmerfamilie kann nicht alleine in der Vergrößerung des Firmemareals durch den Erwerb angrenzender Grundstücke und Fabrikgebäude gesehen werden: Sie besteht vor allem in der organisatorischen, der auf dem Stand neuester betriebswirtschaftlicher Kenntnisse geführt wird.

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